Erste gesicherte Kenntnisse über eine Besiedlung des Abteiberges gibt uns ein Bericht aus dem späten 11. Jahrhundert, der wohl im Scriptorium des Gladbacher Klosters entstanden ist. Diese reich ausgeschmückte Erzählung erwähnt einen "gewissen Balderich, Vornehmen des Reiches", der bereits lange vor Gründung der Abtei auf dem Hügel eine Kirche erbaut habe, die bei einem Einfall der Ungarn im Jahre 954 zerstört worden sei. Grabungen im Bereich der Münsterkirche durch Prof. Dr. Hugo Borger haben eine weilerartige Besiedlung in spätkarolingischer Zeit bestätigt. Der Fund mehrerer heidnischer Matronensteine deutet die Möglichkeit römischer Vorläufer an. Vermutungen zufolge hat die erste Kirche auf der Spitze des Hügels an der Stelle der heutigen Pfarrkirche gestanden, obschon dann die Gründung des Klosters weiter unterhalb, also nicht an dem schon ausgezeichneten Ort und nur durch erhebliche Erdbewegungen ermöglicht, merkwürdig erscheint. Die Legende der Gründungsgeschichte gibt uns freilich eine Erklärung: Als nämlich der Kölner Erzbischof Gero und in seiner Begleitung der Trierer Mönch Sandrad auf der Suche nach einem geeigneten Ort für die beabsichtigte Klostergründung zu den Ruinen auf dem Abteiberg kamen, dem "unbewirtschafteten Berg, den dichter, schattiger Wald überzog", hörten sie tief im Innern des Berges eine Glocke; sie folgten dem Klang und fanden, in einem hohlen Stein verborgen, die Reliquien der Heiligen Vitus, Cornelius, Cyprianus, Crysantus und Barbara aus der zerstörten Balderichskirche. Damit war der Ort der Klostergründung durch ein göttliches Zeichen gewiesen.
Geschichte des Münsters Sankt Vitus
