Die ehemalige Benediktinerabtei und jetzige Münsterkirche St. Vitus in Mönchengladbach verlor im Jahre 1795 weitgehend ihren Besitz an ehrwürdigen liturgischen Gefäßen, Geräten und Reliquiaren. Im Zuge der geistig-politischen Umwälzungen, die um diese Zeit über die Rhein- und Maaslande hereinbrachen, wurden mit wenigen Ausnahmen alle wertvollen Vasa sacra einschließlich der übrigen Gold- und Silberschmiedearbeiten des Klosters unter dem Druck der damaligen Revolutionsregierung eingeschmolzen und ihr Materialwert verstaatlicht. Nachdem es gelungen war, die zunächst zum Abbruch bestimmte Abteikirche im Jahre 1804 der nahen Pfarrkirche als Nebenkirche anzugliedern, kam es in den beiden ersten Dritteln des 19. Jh. - anknüpfend an die Reste religiöser Schatzkunst aus den Zeiten vor der Sekularisierung - zu einem anfangs bescheidenen, seit 1850 jedoch verstärkten Neuaufbau des Münsterschatzes.
Aus der Mitte des Jahrhunderts stammen zwei aus alten Fragmenten zusammengesetzte und ergänzte Turmmonstranzen sowie drei neugotische Ostensorien für einige Reliquien, die in der Revolution ihrer Fassung beraubt worden waren. Das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts führte aus der kirchlichen Zeitsituation heraus nochmals zu einer bedeutenden Vergrößerung des Schatzes. Nach der Wiederaufnahme des Brauches der Gladbacher Heiligtumsfahrten durch die damaligen Pfarrer brachten einzelne Stifter, aber auch weiteste Bevölkerungskreise aus ihrem meist kleinen Einkommen umfangreiche Spendensummen auf, mit denen man für die seit 1795 noch nicht wieder gefaßten Reliquien ein in seiner Art einmaliges Ensemble an neugotischen und neuromanischen Reliquiaren schuf.
Diese neueren Schreine, Büstenreliquiare und Ostensorien sowie weiterhin angeschafftes Altargerät - fast ausschließlich Arbeiten bekannter Goldschmiedewerkstätten des ausgehenden 19. Jahrhunderts - bilden jetzt die Hauptmasse des Münsterschatzes und stellen einen interessanten Versuch dar, dem verbliebenen Rest des alten Schatzes durch würdige Korrelate aus der Zeit des Historismus etwas von seiner früheren Bedeutung zurückzugeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der eigentliche Münsterschatz mit einer Reihe anderer Stücke aus dem Kunstbesitz des Münsters zu gemeinsamer Aufstellung.
Es wurden einige Paramente und Holzbildwerke, darunter eine gotische und fünf barocke Reliquienbüsten aus verlorengegangenen Altarschreinen, mehrere hölzerne Armreliquiare, die ebenfalls aus Altaren stammen, ferner alte Gemälde, Druckgraphiken sowie Handschriften und Urkunden des Münsterarchives mit den wichtigsten Stücken des Schatzes zu einer Schau vereinigt. Als angemessener Unterbringungsort dient seit dem Wiederaufbau nach dem Kriege der im 17. Jh. errichtete barocke Ostflügel des klösterlichen Doppelquadrums. Er präsentiert in seinem Arkadengang und der daneben angelegten Schatzkammer die ausgestellten Stücke und beherbergt außerdem eine große Sakristei mit dem überkommenen Paramentenbestand des Münsters.
Geschichte des Münsterschatzes
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Die ehemalige Benediktinerabtei und jetzige Münsterkirche St. Vitus in Mönchengladbach verlor im Jahre 1795 weitgehend ihren Besitz an ehrwürdigen liturgischen Gefäßen, Geräten und Reliquiaren. Im Zuge der geistig-politischen Umwälzungen, die um diese Zeit über die Rhein- und Maaslande hereinbrachen, wurden mit wenigen Ausnahmen alle wertvollen Vasa sacra einschließlich der übrigen Gold- und Silberschmiedearbeiten des Klosters unter dem Druck der damaligen Revolutionsregierung eingeschmolzen und ihr Materialwert verstaatlicht. Nachdem es gelungen war, die zunächst zum Abbruch bestimmte Abteikirche im Jahre 1804 der nahen Pfarrkirche als Nebenkirche anzugliedern, kam es in den beiden ersten Dritteln des 19. Jh. - anknüpfend an die Reste religiöser Schatzkunst aus den Zeiten vor der Sekularisierung - zu einem anfangs bescheidenen, seit 1850 jedoch verstärkten Neuaufbau des Münsterschatzes.
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Aus der Mitte des Jahrhunderts stammen zwei aus alten Fragmenten zusammengesetzte und ergänzte Turmmonstranzen sowie drei neugotische Ostensorien für einige Reliquien, die in der Revolution ihrer Fassung beraubt worden waren. Das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts führte aus der kirchlichen Zeitsituation heraus nochmals zu einer bedeutenden Vergrößerung des Schatzes. Nach der Wiederaufnahme des Brauches der Gladbacher Heiligtumsfahrten durch die damaligen Pfarrer brachten einzelne Stifter, aber auch weiteste Bevölkerungskreise aus ihrem meist kleinen Einkommen umfangreiche Spendensummen auf, mit denen man für die seit 1795 noch nicht wieder gefaßten Reliquien ein in seiner Art einmaliges Ensemble an neugotischen und neuromanischen Reliquiaren schuf.
Diese neueren Schreine, Büstenreliquiare und Ostensorien sowie weiterhin angeschafftes Altargerät - fast ausschließlich Arbeiten bekannter Goldschmiedewerkstätten des ausgehenden 19. Jahrhunderts - bilden jetzt die Hauptmasse des Münsterschatzes und stellen einen interessanten Versuch dar, dem verbliebenen Rest des alten Schatzes durch würdige Korrelate aus der Zeit des Historismus etwas von seiner früheren Bedeutung zurückzugeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der eigentliche Münsterschatz mit einer Reihe anderer Stücke aus dem Kunstbesitz des Münsters zu gemeinsamer Aufstellung.
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Es wurden einige Paramente und Holzbildwerke, darunter eine gotische und fünf barocke Reliquienbüsten aus verlorengegangenen Altarschreinen, mehrere hölzerne Armreliquiare, die ebenfalls aus Altaren stammen, ferner alte Gemälde, Druckgraphiken sowie Handschriften und Urkunden des Münsterarchives mit den wichtigsten Stücken des Schatzes zu einer Schau vereinigt. Als angemessener Unterbringungsort dient seit dem Wiederaufbau nach dem Kriege der im 17. Jh. errichtete barocke Ostflügel des klösterlichen Doppelquadrums. Er präsentiert in seinem Arkadengang und der daneben angelegten Schatzkammer die ausgestellten Stücke und beherbergt außerdem eine große Sakristei mit dem überkommenen Paramentenbestand des Münsters.
