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Beiträge zur Eickener Pfarrgeschchte - St. Elisabeth - Nr. 1 - Hl. Elisabeth


Zur Eickener Pfarrgeschichte

Zum 800. Geburtstag

Frühe Spuren der heiligen Elisabeth in Eicken

von Karl-Heinz Thifessen



In diesem Jahr (2007) feiern die Christen den 800. Geburtstag der hl. Elisabeth. Großartige Ausstellungen in Eisenach und Marburg zeichnen ihren Lebenslauf in allen Einzelheiten nach. Zahlreiche Events erinnern im ganzen Land an die karitativen Taten der berühmten Heiligen.

Auch wir in Eicken haben allen Grund an die hl. Elisabeth dankbar zu erinnern. Als Pfarrpatronin der Untereickener Elisabethkirche steht sie zahlreichen Gemeindemitgiedern sehr nahe.

Elisabeth versorgt kranke und arme Menschen.
Ein Ideal, dem in Eicken schon sehr früh.
zahlreiche Menschen nachfolgten.

 

Im Jahre 1934 konsekrierte Weihbischof Dr. Sträter diese zweite kathoische Eickener Kirche.

Im folgenden Text soll zwei Fragen nachgegangen werden:
1) Gab es Spuren der hl. Elisabeth vor dem Bau der  Kirche in Untereicken?
2) Seit wann stellten sich Menschen in Eicken in die Nachfolge der hl. Elisabeth?

In einer Chronik des ersten Pfarrers von St.Maria Rosenkranz, Johann Peter Schall, ist kurz und präzise für den 30.Juni 1898 folgender Eintrag nachzulesen:
»Gründung des Elisabethenvereins, 30 Mitglieder, Präsidentin Witwe Jos. Kruchen.«


Dies ist die früheste Eintragung einer kirchlich geführten Personengruppe in der noch jungen Eickener Pfarre, die sich dem Wirken der hl. Elisabeth verpflichtet fühlte. Sie erhielt ihre bischöfliche Erlaubnis am 15. November 1898 und wurde mit diesem Datum in den »Verband der Vereine von der hl. Elisabeth für die Erzdiözese Köln« aufgenommen. Die geistliche Leitung übernahm Pfarrer Schall. Leider sind Quellen über den neu gegründeten Elisabethverein recht spärlich, dennoch verdienen sie es, erwähnt zu werden! Welchen Menschen nahm sich der Verein an? Dazu ist ein kurzer Blick auf die Veränderungen im Stadtteil Eicken in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erforderlich.

Wie in der gesamten Stadt M.Gladbach vollzog sich auch hier eine rasante, nie gekannte Entwicklung. Vorreiter war die Textilindustrie, deren Fabriken wie Pilze rechts und links der Eickener Straße aus dem Boden schossen. Die bis dahin wenig beachtete, landwirtschaftlich geprägte Honschaft unterhalb des Gladbacher Hügels, entfaltete sich innerhalb weniger Jahrzehnte zum führenden Textilstandort. Mit den Fabriken kamen auch zahlreiche Arbeiter/-innen in den prosperierenden Stadtteil und ließen sich, häufig mit ihren Familien, hier nieder. Ein Beweis hierfür ist die schlagartig ansteigende Zahl der Katholiken, die in den siebziger Jahren des 19.Jahrhunderts den Bau einer eigenen Kirche erforderlich machte.

Mit dem Zuzug vieler neuer Bewohner kam aber auch die Zunahme von Not und Elend verarmter Arbeiterfamilien nach Eicken. Frühere Strukturen der Hilfe innerhalb eines Familienverbandes existierten kaum noch.  Einen Anspruch auf staatliche Zuwendungen gab es zur damaligen Zeit nicht,  die öffentliche städtische Armenhilfe steckte noch in den Kinderschuhen. Ihre Mittel waren vielfach völlig unzureichend. Karitative Einrichtungen fanden somit ein  großes Betätigungsfeld.

In der Gladbacher Hauptpfarre konstituierte sich der erste Elisabethverein der Stadt schon zur Jahrhundertmitte. Er war auf mildtätige Spenden reicher Fabrikanten sowie Sammlungen angewiesen. In Eicken unterstützte bereits seit 1884 der Vinzenz-Verein zahlreiche hilfsbedürftige Personen und Familien.

Seit 1898 nahm sich auch hier ein Elisabethverein derer an, die trotz harter täglicher Arbeit, oftmals mit allen Familienmitgliedern, den eigenen Lebensunterhalt nicht bestreiten konnten. Im einzigen erhaltenen Jahresbericht, aus dem ersten Jahr seines Bestehens, wird in erschütternder Weise das Elend breiter Bevölkerungskreise deutlich. Ein besonderes Augenmerk legte der Verein offensichtlich auf die Menschen, die trotz erkennbarer Not, Hilfsangebote weitgehend ablehnten. Die Notwendigkeit der Unterstützung dieser Personen wird im Bericht besonders hervorgehoben. Folgendes Zitat soll dies verdeutlichen:
»Die dunkle Sphäre, in welche das Auge der öffentlichen Armenpflege nicht dringen kann, weil die Veschämtheit einer Familie einen dichten Schleier davorzieht, die Not, die sich oft unter scheinbarem Wohlstande deshalb verbirgt, weil Familien-Tradition und der Gedanke an frühere bessere Tage die gänzliche Verarmung unter keinem Preise offenbaren wollen: das ist das eigentliche Feld, auf dem die organisierte Caritas eines Elisabethen Vereins sich bethätigen muß«.

Die Mitglieder des Eickener Elisabethvereins, ausschließlich Frauen, übernahmen täglich anfallende Arbeiten in den bedürftigen Familien. Der Jahresbericht spricht von 35 aktiven Mitgliedern, die ständig nur für mittellose Kranke kochten. Darüber hinaus bestanden ihre Aufgaben im regelmäßigen Besuch der verarmten Personen, dem Organisieren und Durchführen von Geldsammlungen sowie dem Beschaffen und Herstellen von Gegenständen des täglichen Gebrauchs. Vielen Menschen fehlten die einfachsten Dinge zum Überleben.

Insgesamt zahlte der Verein allein im Jahr 1899 offiziell die hohe Summe von fast 2.780 Mark aus für Lebensmittel, Kleider, Schuhe, Betten, Arztbesuche, Medikamentenkosten usw.. Inoffiziell gaben die Vereinsmitglieder weitere Geldbeträge aus eigenen Mitteln, die nicht in der  Ausgabenliste auftauchen.

Die Festlichkeiten zum 800. Geburtstag der hl. Elisabeth sollen uns somit auch daran erinnern, dass es in Eicken bereits Jahrzehnte vor dem Bau der Elisabethkirche eine religiös organisierte Gruppe von Frauen gab, die in schwieriger Zeit mit großem persönlichen Einsatz, durch praktische Hilfe an notleidende Menschen, für die Grundwerte der Humanität und Menschenwürde eintrat, so wie es die hl. Elisabeth im 13. Jahrhundert vorlebte.

 

 

 

 
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