• Pfarre Sankt Vitus

  • Aktuelles
  • Gemeinden
  • Kirche in der Stadt
  • Kontakt

Beiträge zur Eickener Pfarrgeschchte - St. Elisabeth - Nr. 5 - 70 Jahre: Glocken in St. Elisabeth


Zur Eickener Pfarrgeschichte

70 Jahre: Glocken in St. Elisabeth

von Karl-Heinz Thifessen



Glocken_SE




Der zweite Weltkrieg war gerade zwei Monate alt, als der damalige Pfarrer von St. Maria Rosenkranz, Hermann Joseph Lambertz, einen Brief an das Aachener Generalvikariat schickte, mit der Bitte um Genehmigung für den Ankauf von drei Glocken für den Kirchturm der nun fünf Jahre alten Kirche St. Elisabeth. Eine vierte Glocke sollte »in besseren Zeiten« folgen.

Vor der Weihe der Elisabethkirche im Jahre 1934 gab es bereits erste Versuche, ein Geläute zu kaufen. Unterlagen über Kontakte zu Glockengießereien belegen dies. Der Plan wurde jedoch verworfen, jedenfalls tauchen in der Chronik keine weiteren Angaben darüber auf. Statt dessen gelangte man zu der Ansicht, die kleine Bronzeglocke aus dem Dachreiter vom Langhaus der Rosenkranzkirche in den Glockenturm von St. Elisabeth einzubauen. Seit Pfingsten 1934 rief sie fast sechs Jahre die Katholiken in Untereicken zum Gottesdienst.

Trotz der negativen Erfahrungen im ersten Weltkrieg an St. Maria Rosenkranz, als nur das Kriegsende die Beschlagnahme der dortigen Glocken verhinderte, sah man im ersten Kriegsjahr 1939 die Zeit für gekommen an, ein eigenes Geläute zu bestellen. Pfarrrektor Albert Dreesbach nahm im November Kontakt auf zur Glockengießerei Petit & Gebrüder Edelbrock in Gescher in Westfalen und erbat einen Kostenvoranschlag für drei Kirchenglocken. Ein gesammelter Betrag von 6000 Reichsmark stand zur Verfügung. Die Rohstoffpreise stiegen rasant, somit verlegte man die Anschaffung der größten Glocke in eine spätere Zeit, wenn sich der Preis für Bronze günstiger gestaltete. Von den zunächst vorgesehenen vier Glocken bestellte man am 19. November 1939 nur drei. Noch im gleichen Jahr wurden sie in Gescher gegossen. Es war der letzte Glockenguss in der Kriegszeit.

Fast auf den Tag genau sieben Jahre nach dem ersten Spatenstich zur neuen Kirche, empfing die Gemeinde St. Elisabeth am 25. Februar 1940, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, das neue Kirchengeläute.

Es waren dies:  
1) Die St. Elisabeth Glocke in der Tonlage Dis, mit einem Gewicht von 1388 kg und einem Durchmesser von 1,32 m.
.  Inschrift: »O Zier der deutschen Christenheit, Patronin mild und gut, St. Elisabeth, nimm allezeit uns treu in deine Hut.«
2) Die Marienglocke in der Tonlage Fis, mit einem Gewicht von 786 kg und einem Durchmesser von 1,10 m.
.  Inschrift: »Reinste Jungfrau, laß dich grüßen, sieh dein Kind zu deinen Füßen, nimm mein Herz, es ist ja dein, dein soll es auf ewig sein.«
3) Die Albertusglocke in der Tonlage Gis, mit einem Gewicht von 574 kg und einem Durchmesser von 0,98 m.
.  Inschrift: St. Albertus, führ zum Frieden, was geschieden, daß von Trug und Haß befreit, alle Welt sich Christus weiht.

Zwei Tage zuvor prüfte der Aachener Professor, Monsingore Schwalge, im Auftrag des Bistums das Geläute  auf Guss- und Tonqualität. In einer feierlichen Andacht am 3. März, nachmittags um 17:00 Uhr, weihte Probst Könen die neuen Glocken.

Bevor man sie in den Turm hochziehen konnte, musste der vorhandene Glockenstuhl in langwieriger Arbeit richtig positioniert werden. Zum Osterfest 1940 war es soweit, die neuen Glocken erklangen erstmals im Turm von St. Elisabeth.

Im April 1940 schrieb dazu Chronist Karl Hülser:
»Am Karsamstag  nachmittags 6 Uhr läuteten die Glocken erstmalig einzeln in der Reihenfolge Albertus-, Marien-, Elisabethglocke, dann zusammen und verkündeten am Ostertage, 24. März 1940, die Auferstehung des Gottessohnes.«

Die Freude an den neuen Glocken währte jedoch nicht lange. Das Reichsgesetz vom 15. März 1940 verfügte die Beschlagnahme von Nichteisenmetallen zu Kriegszwecken. Davon waren in besonderer Weise Kirchenglocken betroffen. Bereits im 4. Februar 1942 erhielt Pfarr-Rektor Dreesbach nach einer Besichtigung die Ankündigung, dass die zwei größten Glocken abgegeben werden müssten.  Nun ging alles ganz schnell. Am 6. Februar läuteten sie bereits gemeinsam zum Abschied. Die Zimmermannsfirma Marsfelder von der Sachsenstraße erhielt den Auftrag, die Glocken abzubauen.  Am 28. Februar wurden sie abtransportiert. Die übriggebliebene St. Albertussglocke läutete der Marien- und der Elisabethglocke zum Abschied. Wenige Tage zuvor hatte ein Bombeneinschlag die Kirche an der Apsis schwer beschädigt.

Ab August 1942 erhielt die Albertusglocke zur Begleitung eine kleine Stahlglocke.

Nach Kriegsende versuchten die Verantwortlichen, die ausgebauten Glocken zurückzuholen. Rektor Dreesbach war zwischenzeitlich verstorben und Ernst Euskirchen zum Nachfolger ernannt, ihm wiederum folgte 1948 Josef Uedelhofen. Bereits Rektor Euskirchen erfuhr, dass die beiden Glocken von St. Elisabeth nicht eingeschmolzen wurden, sondern auf einem Sammelplatz in Hettstedt in Thüringen lagerten. Der neue Pfarr-Rektor Uedelhofen schaffte nach umfangreicher Korrespondenz die Rückkehr der großen Elisabethglocke. Am 16. Oktober 1949 wurde sie feierlich neu geweiht und läutete erstmals wieder zusammen mit der Albertusglocke  zum Christ-Königsfest  am 29. Oktober 1949.
Die alte Marienglocke kam nicht mehr zurück. Beim Abtransport hatte sie einen Riss erlitten. Die russischen Behörden, Hettstedt lag in der russischen Besatzungszone, ließen beschädigte Glocken nicht zurückkehren. Somit erhielt die zwischenzeitliche Pfarre St. Elisabeth erst 1959 eine neue Marienglocke. Endlich, siebzehn Jahre nach der Beschlagnahmung, war das Geläute im Kirchturm von St. Elisabeth wieder vollständig. Außerdem feierte die Pfarre den 25. Jahrestag der Konsekration ihrer Kirche.

Fasst man alles zusammen, muss man sich die Frage stellen, ob die Neuanschaffung der Glocken im Kriegsjahr 1940, nach den Erfahrungen der Mutterkirche St. Maria Rosenkranz im ersten Weltkrieg, nicht sehr riskant oder gar leichtsinnig war?
 
  • Suche
  • Patrozinien
  • St. Albertus
  • St. Barbara
  • St. Maria Rosenkranz & St. Elisabeth
    • Aktuelles
    • Gottesdienste
    • Wochenmitteilungen
    • Wort für den Tag
    • Die Kirche
    • Geschichte
      • Namenspatron
      • St. Elisabeth
        • Nr. 1 - Hl. Elisabeth
        • Nr. 2 - Grundsteinlegung
        • Nr. 3 - Pfarrerhebung
        • Nr. 4 - Zum 75. Jubiläum
        • Nr. 5 - Glocken in St. Elisabeth
        • Nr. 6 - Schönstattschwestern
      • St. Maria Rosenkranz
    • Leben in der Gemeinde
    • Kinder und Jugend
    • Elternangebote Projekt HOME
    • Gruppen
    • Stiftung für Kinder und Jugendliche Eicken
    • Trauerpastoral Grabeskirche
    • Machen Sie mit
    • Kontakt St. Maria Rosenkranz
    • Kontakt St. Elisabeth
    • Suche
    • Archiv
  • St. Mariä Himmelfahrt
Impressum | Nutzungsbedingungen | Haftungsausschluss | Datenschutzerklärung