Zur Eickener Pfarrgeschichte
Vor 120 Jahren:
Konsekration der Eickener Marienkirche
am 12. September 1887
von Karl-Heinz Thifessen

Erzbischof Philippus Krementz
Im Jahre 1887 wurde bereits seit einiger Zeit in der Eickener Marienkirche die Eucharistie gefeiert, getauft und Tote veraschiedet.Die lang ersehnte Pfarrerhebung ließ noch drei Jahre auf sich warten.
Das kirchliche Leben jedoch entwickelte sich im Gleichschritt mit der Bedeutung des Textilstandortes Eicken für die stetig wachsende Stadt. Ein wichtiger Einschnitt trat im Juli 1885 ein. Bis dahin war für die neuerbaute Eickener Marienkirche der Vorstand des 1871 gegründeten Kirchenbauvereins zuständig.
Nach massiven Einwirkungen des Gladbacher Oberpfarrers Lelotte wurde der alte Vorstand aufgelöst und durch eine neue Einrichtung, den Marienverein, ersetzt. Die Verantwortung für die Kirche ging nun im Vorstand desselben an Personen über, die bereits seit der Gründung des Kirchenbauvereins in Opposition zu diesem standen. Als besonders pikant ist dabei die Tatsache anzusehen, dass Kirche und Grundstück bis 1887 noch nicht zur Gladbacher Kirchenfabrik gehörten, sondern die rechtlichen Eigentümer zwei Mitglieder des alten Kirchenbauvereins waren. Diese etwas komplizierte Konstruktion war in Gladbach nicht ungewöhnlich und vom Kölner Generalvikariat genehmigt. Man wollte damit den Ablauf des Kirchenbaues vor staatlichen Repressalien im Kulturkampf der siebziger und achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts schützen.
In den achtziger Jahren nahm die neugotische Ausstattung des Kircheninnenraumes mit der Errichtung von Hauptaltar und zwei Seitenaltären, sowie die Ausmalung ihren Fortgang. Der namhafte Utrechter Künstler Wilhelm Mengelberg schuf die drei Altäre.
Zum Weihnachtsfest des Jahres 1881 erstellte er den linken Seitenaltar, welcher den freudenreichen Rosenkranz darstellt. Er ist eine Stiftung von Eickener Jungfrauen. Der rechte Seitenaltar mit der Darstellung des glorreichen Rosenkranzes wurde von Barbara Brüggen gestiftet und im Frühjahr 1883 von Mengelberg errichtet. Ein prächtiger Hochaltar rundete im Dezember 1885 das harmonische neugotische Gesamtbild des Kirchenraumes ab. Wilhelm Mengelberg ist mit diesem Altar eine vielfach anerkannte, hervorragende Verkörperung des schmerzhaften Rosenkranzes gelungen. Stifter waren die Eickener Junggesellen.
Diese neugotische Triologie fand weit über die Eickener Grenzen hinaus Beachtung und erfüllte die Vorgaben im Kölner Erzbistum ebenso wie die Auffassung des Gladbacher Oberpfarrers von der Gesamtkomposition eines Kirchenraumes. Parallel zur Errichtung des Hauptaltares verlief die heute nicht mehr sichtbare Ausmalung des Kircheninnenraumes durch den Eickener Maler Carl Scheefers. Im Jahre 1887 stellte das Innere der Marienkirche somit eine kostbare gotische Einheit dar, die dem Empfinden der damaligen Zeit entsprach. Für den nun seit zwei Jahren tätigen Marienverein und für den seit 1884 in Eicken wirkenden Kaplan Franz – Hubert Hansmann war es ein großes Anliegen, dass die Kirche endlich konsekriert wurde. Bei der Konsekration wird eine Sache oder eine Person aus dem profanen in den sakralen Bereich erhoben .
Der Kulturkampf war beendet. Endgültig frei für die Weihe durch den Kölner Erzbischof Philippus Krementz wurde der Weg, nachdem das Kirchengebäude, samt Grundstück und noch vorhandener Schuldenbelastung, am 28.Januar 1887 als letzte Amtshandlung des alten Kirchenbauvereins an die Gladbacher Mutterpfarre überschrieben wurde. Im Spätsommer desselben Jahres unternahm der Kölner Erzbischof eine Firmungs- und Visitationsreise ins Dekanat M.Gladbach. Ein umfangreiches »Programm zu den festlichen Veranstaltungen bei Empfang und Anwesenheit Sr. Erzbischöflichen Gnaden« kündete für die Tage vom 2. bis 16. September 1887 vom Ablauf des hohen Besuches.
Da die Möglichkeiten der Informationsübermittlungen im 19.Jahrhundert noch sehr begrenzt waren, hatte die bischöfliche Visitation das Ziel, die Pfarreien und deren Tätigkeiten vor Ort kennen zu lernen und zu überprüfen. An elf Tagen seines vierzehntägigen Besuches spendete der Erzbischof in verschiedenen Kirchen das Sakrament der Firmung. Die Anzahl der Firmlinge übertraf für heutige Vorstellungen jegliche Dimension. Allein am 8. und 9. September in der Münsterkirche lag deren Zahl oberhalb von 2.000 Erwachsenen und Kindern. Weiterhin konsekrierte er Altäre und Kirchengebäude, so auch die Albertuskirche am 7. September. Für die Vormittagstunden des 12. September, einem Montag, war die Weihe der Eickener Kirche und des neuen Hochaltars vorgesehen. Die beiden Seitenaltäre wurden erst 1892 konsekriert. Aus welchen Gründen man diese Zweiteilung vornahm, ist den vorliegenden Quellen leider nicht zu entnehmen.
Bereits kurz vorsieben Uhr in der Frühe holte die Eickener Geistlichkeit Erzbischof Philippus Krementz am Eingang der Eickenerstraße ab und geleitete ihn in feierlichem Zug zur Kirche. Einen Eindruck von der damaligen Stimmung vermittelt ein Auszug aus dem Bericht der Gladbacher Volkszeitung in ihrer Ausgabe vom 13. September. »Der ganze untere Stadtteil legte sein schönstes Festgewand an, vor der Kirche erhob sich ein kolossaler Triumphbogen, ganz mit frischem Tannengrün verziert«. Übereinstimmend berichten die Quellen allerdings von sehr starken Regenfällen, welche die Kirchweihe, die sich auch im Außenbereich vollzog, beeinträchtigten. Im Anschluss an die Konsekration zelebrierte der Erzbischof ein feierliches Pontifikalamt. Der Eickener Kirchengesangverein Caecilia trug laut Gladbacher Volkszeitung »eine vierstimmige Festmesse von Piel nebst Einlagen von Lautner und Blieb präzise und meisterhaft vor.« Während seiner Festpredigt teilte Kaplan Hansmann den Kirchenbesuchern mit, dass zur Patronin derMarienkirche die Mutter Gottes erwählt sei unter dem Titel »Regina sacratissimi rosarii, Königin des heiligen Rosenkranzes«.
Fortan trug das Gotteshaus den Namen St. Maria Rosenkranz. Ein festliches Tedeum beendete die kirchliche Feier und »erscholl mächtig durch deren Hallen«. Die Feierlichkeiten zur Eickener Kirchweihe waren damit noch nicht abgeschlossen. Erzbischof Krementz besuchte nach der Eucharistiefeier die Wohnung der Geistlichkeit und begrüßte den Vorstand des Marienvereins. Als der hohe Besuch Eicken am Nachmittag verlassen hatte, rüstete sich der Stadtteil bereits zu einem stimmungsvollen, abendlichen Fackelzug. Unter Führung und Organisation des Marienvereinsmitgliedes Heinrich Angenoort, zogen ab Punkt 20.00 Uhr 1.500 Eickener Bürger und drei Musikchöre durch die Eickener Straßen. Zu ihnen gehörte der Kirchengesangverein mit mehreren Darbietungen.
Den Abschluss dieses Tages bildete ein großes Feuerwerk. Die Bedeutung der Konsekration für die Eickener Bevölkerung versucht die Gladbacher Volkszeitung noch einmal im Schlusssatz ihres Berichtes auszudrücken: »Unter prachtvollem Feuerwerk wurden noch 3 Strophen des Liedes "Großer Gott, dich loben wir" gesungen und alle schieden befriedigt mit dem Bewusstsein nach Hause, einen schönen Ehrentag verlebt zu haben, der stets in ihrer Erinnerung bleiben werde.«
- St. Maria Rosenkranz & St. Elisabeth