Zur Eickener Pfarrgeschichte
25. Mai 1873:
Grundsteinlegung
der Kirche St. Maria Rosenkranz
von Karl-Heinz Thifessen
Im Frühjahr 1873 bestaunten die Eickener Bürger die rege Bautätigkeit im Bereich der heutigen Ecke Eickener- / Marienkirchstraße. Im ehemals sumpfigen Wiesengelände arbeiteten seit Januar zahlreiche Bauarbeiter an einer massiven Fundamentierung. Sie sollte immerhin eine dreischiffige Kirche tragen und musste somit solide und von hoher Qualität sein. Die Arbeiten schritten zügig voran, sodass am 25. Mai des Jahres, am Sonntag vor dem Pfingstfest, die Grundsteinlegung erfolgen konnte.

Grundstein der Kirche St. Maria Rosenkranz
Was war bisher geschehen?
Im Juli 1871 hatte sich der Kirchenbauverein konstituiert. Seine Mitglieder verpflichteten sich zur Zeichnung eines bestimmten monatlichen, quartalsmäßigen oder jährlichen Geldbetrages, um den gewünschten Bau einer Kirche in ihrem Stadtteil finanziell abzusichern. Regelmäßig gingen Sammler durch Eicken, um die Verpflichtungen einzulösen. Die Zahlungsmoral der Eickener Bürger war zunächst, bis auf wenige Ausnahmen, nicht zu beanstanden. Somit standen die erforderlichen Gelder rasch zur Verfügung.
Als verantwortlich für die gesamte Abwicklung der Geldbeschaffung sowie den Bau der Kirche wählte die Generalversammlung des Kirchenbauvereins einen Vorstand. Er bestand aus zwölf Personen, welche durchweg der gehobenen Einkommensschicht angehörten. Vorsitzender war der Spediteur Anton Jansen, sein Stellvertreter der Fabrikant Joseph Cornely.
Zwei seiner Mitglieder bekamen de jure das Grundstück übertragen, das im November 1871 von den bisherigen Eigentümern Kamper und Neuenhofer gekauft wurde. Somit war der Bauherr nicht die Mutterpfarre St. Mariä Himmelfahrt sondern der Vorstand des Kirchenbauvereins. Dieses Verfahren war notwendig, um Schaden von der geplanten Eickener Kirche abzuwenden, denn der Kulturkampf mit zahlreichen Drangsalierungen des Staates gegen Kirche und Klerus war in vollem Gange. Gleichwohl hatte die Hauptpfarre einen ständigen Überblick über die Geschehnisse in Eicken, denn Oberpfarrer Karl Joseph Lelotte war Ehrenmitglied des Vorstandes und sein Kaplan Friedrich Krüth stellvertretend für seinen Chef in diesem Gremium eifrig und richtungsweisend tätig. Als glühender Verehrer der Neugotik besuchte er im Sommer 1872 an der Spitze einer aus dem Kirchenbauverein gewählten Baukommission mehrere Kirchen in der näheren Umgebung.
Die in den sechziger Jahren des 19.Jahrhunderts erbaute neugotische Glehner Pfarrkirche sagte der Eickener Abordnung in besonderer Weise zu und man schlug dem Kirchenbauverein vor, dieses Gotteshaus als Vorbild für die neue Marienkirche zu nehmen. Die Stilrichtung der Neugotik fand im Kölner Erzbistum weite Verbreitung. Mit einem Rückgriff auf die hochaufstrebenden, lichtdurchfluteten gotischen Kathedralen des Mittelalters sollte an die Glanzzeit kirchlicher Sakralbauten angeknüpft werden. Ein Prachtstück gotischer Kirchenkunst stand mit dem Kölner Dom kurz vor seiner Vollendung.

Architekt Heinrich Nagelschmidt
Baumeister der Glehner Kirche war Heinrich Nagelschmidt, ein Privatarchitekt aus Köln, der von 1840 bis 1851 der dortigen Dombauhütte angehörte. Der Vorstand des Kirchbauvereins trat auch bald mit ihm in Verbindung. Nach mehrmonatigem Aufschub, es kam zunächst zu Irritationen mit dem Architekten und zur Verzögerung der Baugenehmigung, konnte am 21. Januar 1873 mit der Errichtung der Fundamente zur Marienkirche begonnen werden.
Am Tag vor der Grundsteinlegung lud der Vorstand des Kirchenbauvereins mit einer Anzeige in der Gladbacher Volkszeitung zur regen Beteiligung an der Feier ein. In seiner Eigenschaft als Oberpfarrer richtete Lelotte persönlich eine schriftliche Einladung an die Bruderschaften.
Bei strahlendem Sonnenschein setzte sich am 25. Mai 1873, Punkt 14.30 Uhr an der Hauptpfarrkirche eine Prozession, angeführt von den Schülerinnen und Schülern der bis dahin einzige Eickener Schule, Richtung Baustelle in Bewegung. In einem Andenkenblättchen wird die Beteiligung des Bürgermeisters Dötsch, der Honoratioren von Gemeinde-, Kirchen- und Stadtrat, Mitgliedern sämtlicher Bruderschaften, dreier Gesangchöre, des katholischen Gesellenvereins und des Vereins katholischer Fabrikarbeiterinnen lobend hervorgehoben, welche »eine wahrhaft großartige« war.
Die Gladbacher Zeitungen berichteten an den folgenden Tagen überschwänglich von diesem Ereignis. Nach übereinstimmenden Angaben holte bei »äußerst günstiger Witterung« ein »unübersehbarer Festzug« den Oberpfarrer an der Hauptpfarrkirche ab und zog die heutige Hindenburgstraße hinab, »begleitet von Böllerschüssen ins festlich geschmückte Eicken«.
Für die musikalische Untermalung sorgten neben mehreren Musikkapellen der Kirchengesangverein der Hauptpfarre, der Fabrikarbeiterinnen - Gesangchor sowie der neugegründete Eickener Kirchengesangverein Cäcilia, welcher an diesem Tag debütierte.
Nachdem der Festzug die Baustelle erreicht hatte, hielt Oberpfarrer Lelotte eine längere Ansprache an die große Zahl der Zuschauer. In besonderer Weise betonte er die Notwendigkeit des Kirchbaues in Eicken auf Grund des enormen Bevölkerungszuwachses in diesem Stadtteil und ermahnte die Eickener zu weiterer Opferbereitschaft für das neue Gotteshaus. Anschließend unterzeichneten 71 Personen die Urkunde und versiegelten sie im Innern des Grundsteines. Die Eickener Martinus–Bruderschaft veranstaltete mit dem Gesangverein »Deutscher Sängerbund« zum Abschluss des Festtages im Lokal Aretz ein Konzert.
Somit wurde nur eine Woche nach der Grundsteinlegung der Albertuskirche ein weiterer Kirchenbau im stetig wachsenden Gladbach in Angriff genommen. Auch in Eicken konnte nun eine intensive Seelsorge für die zahlreich zugezogenen Arbeiterinnen und Arbeiter beginnen. Diese häufig verarmte neue Schicht gab dem bis dahin agrarisch strukturierten Stadtteil ein völlig neues Gesicht. Für die Kirche kam es sehr darauf an, sich dieser, oftmals ihrer alten Bindungen entwurzelten Menschen anzunehmen.
- St. Maria Rosenkranz & St. Elisabeth