Zur Eickener Pfarrgeschichte
Symbol Eickener Volksfrömmigkeit:
Die Eickener Mondsichelmadonna
von Karl-Heinz Thifessen
»Eine Frau, mit der Sonne bekleidet,
und der Mond unter ihren Füßen
und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.«
(geheime Offenbarung des Johannes 12.1)
Dieser Absatz aus der Apokalypse ist der theologische Grundgedanke für die Schaffung von Mondsichelmadonnen als eigenen Marien-Bildtypus, denn seit dem 12. Jahrhundert wird die im Bibeltext erwähnte »Frau« mit der Gottesmutter gleichgesetzt. Zwölf Sterne in ihrer Krone symbolisieren die zwölf Stämme Israels.
Die nach oben geschwungene Mondsichel unter dem Fuß Mariens erfuhr im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche Bedeutungen. Als besonders herausragend ist die Zeit der Türkenkriege zu nennen, in denen der Islam Europa zu erobern drohte. Viele Menschen sahen in der Symbolik eine Abwehrhaltung der Mutter Gottes gegen die neue Religion, deren äußeres Erkennungsmerkmal die Mondsichel ist.
Im 17. und 18. Jahrhundert änderte sich die Darstellungsweise. Zur Mondsichel kam die Schlange als Zeichen der Erbsünde und des Bösen. Sie umschlingt den gesamten Erdball. Maria setzt einen Fuß auf die Schlange und überwindet somit die Erbsünde, während der zweite Fuß weiterhin auf der Mondsichel steht. Dieses Motiv gilt als Hinweis auf die unbefleckte Empfängnis und wird daher auch als »Immaculata« bezeichnet.
Die Eickener Madonnenfigur erfüllt alle diese Merkmale.

Sie hat eine Größe von 128 cm und ist aus Holz gefertigt. Maria trägt ein silbernes Gewand unter einem Umhang von goldener Farbe, dessen Inneres ein dezentes Rot erkennen lässt. Aufrecht stehend trägt die Gottesmutter in ihrer linken Hand triumphierend das Jesuskind. Beide sind ausgestattet mit Insignien der Macht. Maria hält in ihrer Rechten ein Zepter, während das Kind den Reichsapfel in der linken Hand trägt. Jesus ist mit einem goldenen Gewand gekleidet. Die königlichen Farben Gold und Silber symbolisieren die überirdische Macht Gottes.
Auf dem Kopf der Gottesmutter steht eine silberne Krone, die der renommierte Kölner Kunstschmied Max Heinrich Rolshoven zur Mitte des 18. Jahrhunderts geschaffen hat. Über ihrem linken Arm trägt Maria den Rosenkranz.
Mehrfach wurde die wertvolle Madonna von Dieben heimgesucht. Einer besonders verwerflichen Tat fiel, was für zahlreiche Eickener sehr schmerzhaft war, im April 1979 das Christuskind zum Opfer, welches ebenfalls eine silberne Krone trug. Entwendet wurde auch der Rosenkranz. Das Kind konnte nach einer Stiftung, wenn auch ohne Krone, ersetzt werden. Der Bildhauer Hartmann aus Rheda-Wiedenbrück schuf nach einer Bildvorlage die neue Figur des Jesuskindes, die dem Original in nichts nachstand. Eine weitere Spende ermöglichte die Erneuerung des Rosenkranzes. Seither ist die Rosenkranzmadonna in einem Panzerglasschrank mit einer Alarmanlage geschützt.
Die genaue Herkunft dieser wertvollen Skulptur ist nicht mit letzter Sicherheit festzustellen. Leider unbekannt ist auch der Künstler. Wahrscheinlich entstammt die Madonna einer alten Wegkapelle, die bis September 1915 an der Kreuzung Als- und Marienkirchstraße stand. In den Jahren unmittelbar vor ihrem Abriss durch die Stadt war die Kapelle bereits sehr verfallen.
Obwohl der damalige Eickener Pfarrer Christian Maria Rody genügend Gelder zu ihrer Restaurierung gesammelt hatte, schaffte die Gladbacher Stadtverwaltung innerhalb weniger Stunden Fakten und ließ den kleinen Fachwerkbau abreißen. Angeblich stand er dem Ausbau der Alsstraße im Weg. Alle Proteste, selbst vom Kölner Generalvikariat, blieben erfolglos. Die Kapelle war für immer verloren.
In vielen Jahrzehnten zuvor, besonders vor dem Bau der Rosenkranzkirche (erbaut 1873 bis 1875), diente sie der bis dahin zahlenmäßig geringen Eickener Bevölkerung als Betstätte bei den zahlreichen Nöten und Gefahren des Alltags, denn der Weg zur nächsten Kirche war weit und besonders im Winter sehr beschwerlich.
Somit kann die Madonnenfigur durchaus als frühes Symbol Eickener Volksfrömmigkeit angesehen werden. Wahrscheinlich nahm man die wertvolle Figur aus der mehr und mehr dem Verfall preisgegebenen Wegkapelle nach Fertigstellung der Marienkirche heraus und gab ihr dort einen neuen Standort. Ein Nachweis hierüber liegt jedoch nicht vor.
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Nachtrag:
Quelle: Pfarrchronik 1980-1988, erstellt von Elisabeth Merkens, Sign. T 14 im Pfarrarchiv von SMR, 10.April 1982:
Osternacht: Es war eine ganz besondere Freude für die österliche Gemeinde, als in dieser Osternacht das Licht über der »heimgekehrten« Rosenkranzkönigin erstrahlte. Drei Jahre hatten wir diese wertvolle Statue entbehren müssen. Am 20.April 1979 hatte man das Jesuskind gestohlen. Der Bildhauer Hubert Hartmann aus Wiedenbrück hatte anhand eines Fotos ein neues Jesuskind erstellt. Herr Josef Wefers, ein Mitglied unserer Gemeinde, Bau- und Kunstschlosser, erstellte den Schrein. Ihm sei dafür gedankt.
In diesem Schrein, angestrahlt, an einem neuen Standpunkt, thront unsere Rosenkranzkönigin, an der linken Säule im Chorraum unserer Pfarrkirche. Sie wirkt auf den Kirchenbesucher wie ein Gnadenbild. Gewiß ist die Rosenkranzkönigin die Beschützerin unserer Pfarrgemeinde.
- St. Maria Rosenkranz & St. Elisabeth