Beiträge zur Eickener Pfarrgeschichte - St. Maria Rosenkranz - Nr. 7 - Errichtung Kirchturm
Die Errichtung des Kirchturms
Ganz gleich aus welcher Richtung man sich dem Stadtteil Eicken nähert, irgendwann fällt der Blick auf den gewaltigen neugotischen Turm der Pfarrkirche St. Maria Rosenkranz. Mit einer Höhe von 83 Metern schaut er seit fast 115 Jahren auf die Häuser der näheren und weiteren Umgebung.
In dieser Ausgabe zur Eickener Pfarrgeschichte soll die Baugeschichte des Kirchturms und die sich daran anschließende Glockenweih- und Turmbaufeier thematisiert werden.
Im Jahr 1895 feierten die Gläubigen in der Eickener Kirche seit fast zwanzig Jahren Gottesdienste. Allerdings erkannte man schnell, dass der neu errichtete Kirchenbau die sprunghaft anwachsende Zahl der Gemeindemitglieder auf Dauer nicht fassen konnte. Somit ging man bereits kurz nach der Erhebung zur selbständigen Pfarre im Jahr 1890 an die Planungen für die Erweiterung des Gotteshauses. Sie sollte mit dem Bau eines weithin sichtbaren Turmes einhergehen. Als am 21. Mai 1891 mit Johann Peter Schall der erste Eickener Pfarrer sein Amt antrat, hatte auch für ihn der Turm- und Erweiterungsbau oberste Priorität. Die Finanzierung bereitete keine Probleme, jedenfalls ist aus den Quellen nichts nachteiliges zu entnehmen. Wahrscheinlich übernahmen reiche Eickener Fabrikanten den Großteil der Kosten. Als Obergrenze galten 100000 Reichsmark.
Somit standen zwei Fragen im Vordergrund:
a) Welcher Baumeister sollte den Turm erbauen?
b) Konnten die Fundamente im sumpfigen Untergrund so gesetzt werden, dass sie der enormen Druckkraft des Turmes standhielten?
In der Frage nach dem Baumeister waren die Auftraggeber sehr wählerisch. Obwohl Heinrich Nagelschmid, Architekt der Marienkirche, noch lebte, favorisierte man zunächst den Neusser Regierungsbaumeister Julius Busch. Er hatte die Kirchen in Bettrath und Hermges erbaut und war daher in guter Erinnerung. Busch lieferte daraufhin eine präzise Bauzeichnung mit Kostenvoranschlag für eine Doppelturmfassade ab. Letztendlich jedoch beauftragte der Eickener Kirchenvorstand in seiner Sitzung vom 22. August 1894 den Düsseldorfer Architekturprofessor Josef Kleesattel mit der endgültigen Planung eines neugotischen Turmes einschließlich Orgelempore.
Zwei Seitenkapellen sollten sich im Norden und Süden anlehnen. Die Beweggründe hierfür können nur vermutet werden. Es mag sei, dass die Doppeltürme, auch aus Gründen ihrer späteren Erhaltung, als nicht geeignet erschienen. Aus heutiger Sicht eine Entscheidung mit sehr viel Weitblick.
In der ersten Planungsphase traten rasch Schwierigkeiten mit der Beschaffenheit des Untergrundes auf. Das Eickener Gebiet bestand seit Urzeiten aus einem umfangreichen Sumpfgelände mit zahlreichen Wasserrinnen. Somit erschien es zunächst äußerst problematisch, ein tragfähiges Fundament für den Bau eines derartigen Kirchturms zu schaffen.
Pfarrer Schall schrieb in einer Chronik:
»Da man etwa zwei Meter tief kein festes Fundament fand, wollte man die Kleischicht entfernen, um festen Boden zu gewinnen, fand aber nur eine Wasserschicht.«
Ein Gutachten vom 27. Oktober 1894 bestätigte diese Befürchtungen. Gleichzeitig ist jedoch eine Lösungsmöglichkeit beschrieben. Mit einer Mischung aus gemauerten Steinlagen und Zementschichten sowie mehreren eisernen Verankerungen und sieben Schichten in Zement eingelagerten Bandeisen entstand ein felsenartiger Untergrund, der in der Lage war, den Eickener Kirchturm zu tragen. Die Fundamentarbeiten begannen im Herbst 1894.
In den Folgemonaten mussten zahlreiche Verhandlungen mit Lieferanten und Baufirmen geführt und Verträge abgeschlossen werden. Hinzu kam die Anschaffung von fünf Kirchenglocken bei der Fa. Bour und Guenser in Metz, damals noch zum Deutschen Reich gehörend.
Nach Ostern 1895 begannen die Bauarbeiten am Kirchturm. Sie schritten zügig voran, sodass für den August des folgenden Jahres das Turmbaufest geplant werden konnte. Die Erweiterung der Kirche betrug 90,5qm. Sie umfasste nun eine Gesamtquadratmeterzahl von 665. Hinzu kamen die Orgelempore mit zwei musizierenden Engeln, sowie das Hauptportal, gekrönt von der Gottesmutter im Tympanon (alle drei Figuren schuf der Bildhauer Oor aus Roermond). Über alles hinweg prägt seither der kolossale neugotische Kirchturm mit einer Höhe von 83 Metern unverwechselbar den Stadtteil Eicken. Er ist bis heute der höchste Kirchturm der Stadt. Sein hochwertiges Geläute erklang erstmals zum Weihnachtsfest 1896.
Überschwänglich schrieb die Gladbacher Volkszeitung:
»Der Bau ist nunmehr nach einem Plane des Herrn Baumeisters Kleesattel zu Düsseldorf vollendet und der Kirchthurm von Eicken ein so großartiges und schönes Werk, daß nicht die Pfarre Eicken allein, sondern die Stadt mit Befriedigung und Stolz auf denselben blickt.«
Mit einer Pfarrprozession eröffnete die Gemeinde St. Maria Rosenkranz am Morgen des 9. August 1896 den Tag der Turm- und Glockenweihe. Eine weitere Prozession, begleitet von zwei Blaskapellen, holte nachmittags das neue Geläute auf zwei bekränzten Wagen vom Bahnhof ab. Anschließend weihte Pfarrer Schall den Turm und die fünf Glocken. Letztere erhielten die Namen Maria, Josef, Petrus, Vitus und Barbara. Musikalisch begleitete der Kirchengesangverein unter Leitung von Dirigent Quasten diese feierliche Zeremonie. Eine Segensandacht beschloss die Feierlichkeiten in der Kirche.
Kurz vor 19:00 Uhr trafen zahlreiche Gäste zu einer Festversammlung im Saal Bayer am Bour ein. Mehrere Redner lobten die Erweiterung der Pfarrkirche sowie den Turm in höchsten Tönen. Die Eickener Bevölkerung drängte sich am späten Abend in den Straßen und Gassen im näheren und weiteren Umfeld der Kirche. Anlass waren ein weithin sichtbares Brilliantfeuerwerk an der Kirchturmspitze und eine Lichtillumination des Turmes. Mit dieser Attraktion endete ein großer Tag in der Eickener Pfarrgeschichte.
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Quellen
Portraitfoto von Pfarrer Schall K 650
1) Gladbacher Volkszeitung vom 11. August 1896
Pfarrarchiv SMR Sign. M 47
Fundamenttiefe 2.30m bis 2,50 m über eine Fläche von 14,5 qm
2) Gutachten Architekten Baehren und des Stadtbaurates Schmitz über die Bodenbeschaffenheit und die Ausführung des Turmfundamentes vom27. Oktober 1894
Pfarrarchiv SMR Sign. K 697
3) Tagebuch zum Turm- und Erweiterungsbau (1894 - 1896)
Pfarrarchiv SMR K 581
Zur Eickener Pfarrgeschichte
Die Errichtung des Kirchturms
von St. Maria Rosenkranz
(1895/96)
von Karl-Heinz Thifessen
Ganz gleich aus welcher Richtung man sich dem Stadtteil Eicken nähert, irgendwann fällt der Blick auf den gewaltigen neugotischen Turm der Pfarrkirche St. Maria Rosenkranz. Mit einer Höhe von 83 Metern schaut er seit fast 115 Jahren auf die Häuser der näheren und weiteren Umgebung.
In dieser Ausgabe zur Eickener Pfarrgeschichte soll die Baugeschichte des Kirchturms und die sich daran anschließende Glockenweih- und Turmbaufeier thematisiert werden.

Pfarrer Schall,
erster Eickener Pfarrer
(1891-1914)
Im Jahr 1895 feierten die Gläubigen in der Eickener Kirche seit fast zwanzig Jahren Gottesdienste. Allerdings erkannte man schnell, dass der neu errichtete Kirchenbau die sprunghaft anwachsende Zahl der Gemeindemitglieder auf Dauer nicht fassen konnte. Somit ging man bereits kurz nach der Erhebung zur selbständigen Pfarre im Jahr 1890 an die Planungen für die Erweiterung des Gotteshauses. Sie sollte mit dem Bau eines weithin sichtbaren Turmes einhergehen. Als am 21. Mai 1891 mit Johann Peter Schall der erste Eickener Pfarrer sein Amt antrat, hatte auch für ihn der Turm- und Erweiterungsbau oberste Priorität. Die Finanzierung bereitete keine Probleme, jedenfalls ist aus den Quellen nichts nachteiliges zu entnehmen. Wahrscheinlich übernahmen reiche Eickener Fabrikanten den Großteil der Kosten. Als Obergrenze galten 100000 Reichsmark.
Somit standen zwei Fragen im Vordergrund:
a) Welcher Baumeister sollte den Turm erbauen?
b) Konnten die Fundamente im sumpfigen Untergrund so gesetzt werden, dass sie der enormen Druckkraft des Turmes standhielten?
In der Frage nach dem Baumeister waren die Auftraggeber sehr wählerisch. Obwohl Heinrich Nagelschmid, Architekt der Marienkirche, noch lebte, favorisierte man zunächst den Neusser Regierungsbaumeister Julius Busch. Er hatte die Kirchen in Bettrath und Hermges erbaut und war daher in guter Erinnerung. Busch lieferte daraufhin eine präzise Bauzeichnung mit Kostenvoranschlag für eine Doppelturmfassade ab. Letztendlich jedoch beauftragte der Eickener Kirchenvorstand in seiner Sitzung vom 22. August 1894 den Düsseldorfer Architekturprofessor Josef Kleesattel mit der endgültigen Planung eines neugotischen Turmes einschließlich Orgelempore.

Josef Kleesattel
Zwei Seitenkapellen sollten sich im Norden und Süden anlehnen. Die Beweggründe hierfür können nur vermutet werden. Es mag sei, dass die Doppeltürme, auch aus Gründen ihrer späteren Erhaltung, als nicht geeignet erschienen. Aus heutiger Sicht eine Entscheidung mit sehr viel Weitblick.
In der ersten Planungsphase traten rasch Schwierigkeiten mit der Beschaffenheit des Untergrundes auf. Das Eickener Gebiet bestand seit Urzeiten aus einem umfangreichen Sumpfgelände mit zahlreichen Wasserrinnen. Somit erschien es zunächst äußerst problematisch, ein tragfähiges Fundament für den Bau eines derartigen Kirchturms zu schaffen.
Pfarrer Schall schrieb in einer Chronik:
»Da man etwa zwei Meter tief kein festes Fundament fand, wollte man die Kleischicht entfernen, um festen Boden zu gewinnen, fand aber nur eine Wasserschicht.«
Ein Gutachten vom 27. Oktober 1894 bestätigte diese Befürchtungen. Gleichzeitig ist jedoch eine Lösungsmöglichkeit beschrieben. Mit einer Mischung aus gemauerten Steinlagen und Zementschichten sowie mehreren eisernen Verankerungen und sieben Schichten in Zement eingelagerten Bandeisen entstand ein felsenartiger Untergrund, der in der Lage war, den Eickener Kirchturm zu tragen. Die Fundamentarbeiten begannen im Herbst 1894.
In den Folgemonaten mussten zahlreiche Verhandlungen mit Lieferanten und Baufirmen geführt und Verträge abgeschlossen werden. Hinzu kam die Anschaffung von fünf Kirchenglocken bei der Fa. Bour und Guenser in Metz, damals noch zum Deutschen Reich gehörend.
Nach Ostern 1895 begannen die Bauarbeiten am Kirchturm. Sie schritten zügig voran, sodass für den August des folgenden Jahres das Turmbaufest geplant werden konnte. Die Erweiterung der Kirche betrug 90,5qm. Sie umfasste nun eine Gesamtquadratmeterzahl von 665. Hinzu kamen die Orgelempore mit zwei musizierenden Engeln, sowie das Hauptportal, gekrönt von der Gottesmutter im Tympanon (alle drei Figuren schuf der Bildhauer Oor aus Roermond). Über alles hinweg prägt seither der kolossale neugotische Kirchturm mit einer Höhe von 83 Metern unverwechselbar den Stadtteil Eicken. Er ist bis heute der höchste Kirchturm der Stadt. Sein hochwertiges Geläute erklang erstmals zum Weihnachtsfest 1896.
Überschwänglich schrieb die Gladbacher Volkszeitung:
»Der Bau ist nunmehr nach einem Plane des Herrn Baumeisters Kleesattel zu Düsseldorf vollendet und der Kirchthurm von Eicken ein so großartiges und schönes Werk, daß nicht die Pfarre Eicken allein, sondern die Stadt mit Befriedigung und Stolz auf denselben blickt.«
Mit einer Pfarrprozession eröffnete die Gemeinde St. Maria Rosenkranz am Morgen des 9. August 1896 den Tag der Turm- und Glockenweihe. Eine weitere Prozession, begleitet von zwei Blaskapellen, holte nachmittags das neue Geläute auf zwei bekränzten Wagen vom Bahnhof ab. Anschließend weihte Pfarrer Schall den Turm und die fünf Glocken. Letztere erhielten die Namen Maria, Josef, Petrus, Vitus und Barbara. Musikalisch begleitete der Kirchengesangverein unter Leitung von Dirigent Quasten diese feierliche Zeremonie. Eine Segensandacht beschloss die Feierlichkeiten in der Kirche.
Kurz vor 19:00 Uhr trafen zahlreiche Gäste zu einer Festversammlung im Saal Bayer am Bour ein. Mehrere Redner lobten die Erweiterung der Pfarrkirche sowie den Turm in höchsten Tönen. Die Eickener Bevölkerung drängte sich am späten Abend in den Straßen und Gassen im näheren und weiteren Umfeld der Kirche. Anlass waren ein weithin sichtbares Brilliantfeuerwerk an der Kirchturmspitze und eine Lichtillumination des Turmes. Mit dieser Attraktion endete ein großer Tag in der Eickener Pfarrgeschichte.
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Quellen
Portraitfoto von Pfarrer Schall K 650
1) Gladbacher Volkszeitung vom 11. August 1896
Pfarrarchiv SMR Sign. M 47
Fundamenttiefe 2.30m bis 2,50 m über eine Fläche von 14,5 qm
2) Gutachten Architekten Baehren und des Stadtbaurates Schmitz über die Bodenbeschaffenheit und die Ausführung des Turmfundamentes vom27. Oktober 1894
Pfarrarchiv SMR Sign. K 697
3) Tagebuch zum Turm- und Erweiterungsbau (1894 - 1896)
Pfarrarchiv SMR K 581
- St. Maria Rosenkranz & St. Elisabeth